Sie sind hier: Hauptseite > Neues

Erklärung der Stadtvertretung Wolgast für den Verbleib der Kinderstation sowie der Gynäkologie/Geburtshilfe in Wolgast

Mit Verwunderung haben wir die Nachricht von der beabsichtigten Schließung der Kinderstation sowie der Gynäkologie/Geburtshilfe in unserem Krankenhaus in Wolgast vernommen. Für uns ist Ihre Entscheidung der Schließung, die Sie als alternativlos bezeichnen, nicht nachvollziehbar.

Begründung:

1. Für uns gehören Kinderstation sowie Gynäkologie/ Geburtshilfe zur Basisausstattung eines Krankenhauses mit dem Anspruch einer Grund- und Regelversorgung.

2. Die Ausstattung der Wolgaster Kinderstation sowie Gynäkologie/Geburtshilfe erfüllt alle Ansprüche und nimmt eine Spitzenposition im Vergleich zu anderen Kliniken und des ländlichen Raumes ein.

3. Aus den uns vorliegenden Informationen haben wir entnommen, dass man beabsichtigt, am Standort Anklam eine Kinderstation aus dem Boden zu stampfen sowie die Gynäkologie/ Geburtshilfe zu erweitern. Mit großem finanziellem Aufwand sollen dort Voraussetzungen geschaffen werden, die in Wolgast Standard sind. Dabei geht man davon aus, dass man zum einen auf das medizinische Personal aus Wolgast zurückgreifen kann, zum anderen, dass sich die Geburten aus der Region Wolgast ausschließlich in Richtung Anklam orientieren.

a.    Wir halten diese Annahme für völlig falsch. Schlüssig ist vielmehr: die Region Wolgast orientiert sich am Einzugsgebiet des Oberzentrums Greifswald. Insofern verbleiben max. 20% der Geburten für Anklam. Damit ist zu erwarten, dass die mit öffentlichen Mitteln geförderte und künstlich erzeugte Infrastruktur im Bereich Anklam nicht zukunftsfähig ist und die große Gefahr besteht, dass öffentliche Mittel in großem Umfange verschwendet werden.

b.    Es ist unbegreiflich, dass von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes nunmehr erwartet wird, dass sie eine Beschäftigung in Anklam zu deutlich verschlechterten Konditionen aufnehmen. Vielmehr ist zu erwarten, dass sich dieser Personenkreis bei der schwierigen Personalausstattung anders orientiert.

4. In Ihrer gesamten Berechnung ist die medizinische Versorgung der Flüchtlinge überhaupt nicht berücksichtigt. Auch die bereits jetzt bestehende, nicht ausreichende medizinische Versorgung ist ein willkommenes Argument der Flüchtlingsgegner. Der Rückzug aus Wolgast wird diese Situation weiter verschärfen.

Wir stellen fest, dass das Signal, das Sie den jungen Familien dieser Region senden, fatal ist. Erneut wird die schwach strukturierte Region noch weiter ausgedünnt.

Daher fordern wir die Rücknahme Ihrer Vorentscheidung vom 03.11.2015 und fordern Sie nunmehr auf, in einen entsprechenden Dialog zu gehen. Wir erwarten alternative Konzepte als nur die Schließung der vorgenannten Stationen.

Nehmen Sie die Interessen der Kinder ernst und handeln Sie! Wir werden um unsere Stationen kämpfen! Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen! Die Stadtvertretung Wolgast solidarisiert sich mit den Beschäftigten o.g. Stationen und unterstützt alle notwendigen Aktivitäten, die zum Verbleib in Wolgast dienen. Wir fordern den Bürgermeister auf, in diesem Sinne aktiv zu werden.


Wolgast, 16.11.2015




Harald Heß
1. Stellvertreter der Stadtvertretervorsteherin